KULTUR IM GESPRÄCH

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Beschreibung

DOKTOR MURKES GESAMMELTES SCHWEIGEN 

Johanna Marx liest Heinrich Böll

Ist die Benutzung opportuner Begriffe schon Ausweis einer Gesinnungsänderung? Die Frage, die uns gegenwärtig in vielen Zusammenhängen beschäftigt, hat Heinrich Böll bereits 1955 in seiner Erzählung DOKTOR MURKES GESAMMELTES SCHWEIGEN aufgeworfen. Professor Bur-Malottke ist eine renommierte und einflussreiche Geistesgröße. Um eine mögliche Nähe zum Nationalsozialismus zu kaschieren, hatte er sich nach 1945 demonstrativ zum christlichen Glauben bekannt. Inzwischen findet er, dass die Religion zu viel Einfluss erlangt hat, weswegen er aus zwei bereits eingesprochenen Rundfunkvorträgen über das Wesen der Kunst das Wort „Gott“ entfernen und durch die Formulierung „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ ersetzen lassen möchte. Der Intendant des Senders willigt ein und beauftragt den Redakteur Dr. Murkes mit der delikaten Aufgabe. Tatsächlich wird das unerwünschte Wort aus den Bändern herausgeschnitten und durch die neu eingesprochene Redewendung ersetzt. Doch was wird nun aus den göttlichen Tonschnipseln? Und wie lässt sich das Mehr an Worten kompensieren? – Die Schauspielerin Johanna Marx liest Bölls satirische Erzählung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich über den Text zu unterhalten.