Beschreibung

Ursprünglich hätte DIE WEISSE KRANKHEIT im Februar Premiere gehabt. Wegen des Lockdowns haben wir entschieden, diese Inszenierung als professionelle Theateraufzeichnung anzubieten, bis wir diese Produktion dann auch live aufführen können. Sie können sich diese besondere Arbeit ab dem 12.03.2021 (18:00) zu Hause ansehen und ab 15.03. "DIE WEISSE KRANKHEIT – eine Dokumentation" in unserer Mediathek.

 

„Die Menschen wollen keine Politik mehr, sie wollen nur Medizin, nur Rettung…“

 

Aufgrund der Erfahrung der spanischen Grippe und des Weltkriegs schrieb Karel Čapek 1937 eine Utopie, die unsere Gegenwart visionär vorwegnimmt. Eine Pandemie wird zum Stresstest für die Medizin, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die politisch Handelnden. Capek stellt dabei radikalen Pazifismus gegen Militarismus und Diktatur.

Im Land wütet eine tödliche Seuche. Einzig der unbekannte Arzt Dr. Galén behauptet, sie heilen zu können. Seine Erkenntnisse werden von Dr. Sigelius, dem Chefarzt einer staatlichen Klinik, zwar angezweifelt, trotzdem lässt dieser ihn die Heilmethode in seiner Klinik anwenden und testen. Und die Heilmethode wirkt. Galén möchte seine Methode jedoch nur veröffentlichen, wenn die Regierungen Frieden und Abrüstung garantieren. Der Chefarzt hält dies für unverantwortlich - Heilung muss für alle zugänglich sein. Er entlässt Galén und die Regierung treibt unbeirrt ihre Kriegspläne voran.

Als die Regierenden selbst erkranken, soll Galén sie heilen. Da er weiter auf seinen Forderungen besteht, wird die politische Frage nach Abrüstung zu einer persönlichen um Leben und Tod.

 

Das Schlosstheater Celle überschreibt Capeks Stoff und öffnet ihn für einen gegenwärtigen Diskurs. Die Demokratie selbst wird, wie in einem Labor auf ihre Bruchstellen hin untersucht. Die Ausgangssituationen und Institutionen werden nach heute übertragen, und die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung rückt in den Fokus. Galens Entlassung führt in Dörings Stück zu einer öffentlichen Debatte über Moral, staatlicher Repression und Legitimation. Verschwörungstheorien entstehen, die die Wirkung von Galens Heilmethode und sogar die Krankheit selbst leugnen. Die vier Figuren des Stücks nehmen die Positionen der Medizin und Wissenschaft, der Medien sowie der Politik ein, und stellen fest, dass ihre eigentliche Aufgabe nicht nur in der Bekämpfung der Pandemie besteht, sondern vielmehr im Versuch, das gesellschaftliche Miteinander zu erneuern.

Ohne dass Corona je konkret genannt wird vertreten die Figuren damit auch Positionen zu der uns heute umgebenden Pandemie.

Video zum Stück

Besetzung

Dr. Galen
Bérénice Brause
Oberärztin, später Staatssekretärin
Zora Fröhlich
Journalistin
Pia Noll
Dr. Sigelius
Verena Saake
Regie
Tim Egloff
Bühne und Kostüm
Sabina Moncys
Dramaturgie
Moritz Peters
Regieassistenz
Marléne Jeffré