
Sehr geehrtes Publikum,
erstmalig stelle ich eine ganze Spielzeit unter ein Thema: Heimat. Nach zwei Jahren Bauzeit ins Schloss zurückzukehren fühlt sich wie Heimkehr an, da ergab sich dieses Motto fast automatisch. Was aber ist Heimat? Hat jeder Mensch eine Heimat? Warum vermissen wir unsere Heimat erst, wenn sie in der Ferne ist? Welche Bedeutung hat Sprache für unseren Heimatbegriff? Ist Muttersprache zwangsläufig Heimatsprache? Die Heimat- und Spielsprache des Schlosstheaters ist die deutsche Sprache. Beim Lesen des neuen Spielzeitheftes wird Ihnen auffallen, dass wir ausschließlich Texte deutschsprachiger Autoren auswählten. Bei den Hauptbühnenproduktionen liegt der Fokus auf klassischen Dramentexten: Büchner, Wedekind, Goethe, Nestroy; Strauß als bedeutender Dramatiker der Gegenwart auf dem Weg zum Klassiker sowie auf der Studiobühne der von mir verehrte Thomas Bernhard. Ein Klassiker ist ein Autor oder ein Werk, »an dem man die andern misst, und zwar in jeder Epoche« (P. von Matt). So sollte es sein.
Und noch etwas wird Ihnen nicht entgehen: Neben den Klassikern gibt es eine Reihe neuer und noch höchst lebendiger (jüngerer) Autoren in einer erstaunlichen Zahl von Uraufführungen zu entdecken. In einer Rede sprach ich kürzlich davon, dass ein Schlosstheater ohne Schloss wie eine Schnecke ohne Haus sei. Die zwei Jahre in der Residenzhalle waren eine spannende, künstlerisch vielseitige, herausfordernde Zeit. Sie bot dem Theater, aber auch dem Publikum, viele neue Möglichkeiten, blieb dennoch Provisorium.
Jetzt dürfen wir zurück in unsere Heimat.
Endlich!
Dr. Bettina Wilts
Intendantin